Brandschutz-Sanierung

Die neue Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden ist am 9. Juli 2012 in Kraft getreten. Mit ihr müssen die Mitgliedsstaaten sicherstellen, dass bei größeren Sanierungen die Energieeffizienz des Gebäudes bzw. des sanierten Gebäudeteils verbessert wird, um die Anforderungen an die Energieeffizienz zu erfüllen (1).

Nationale Bauvorschriften werden in der Regel für Neubauten erlassen. In den Vorschriften wird davon ausgegangen, dass sich während der Bauphase nur die Bauherren auf der Baustelle befinden und dass das Bauunternehmen für ihre Sicherheit haftet. Bei der Sanierung eines Wohnhauses können sich bis zu 150 Personen gleichzeitig auf der Baustelle befinden. Wer ist für die Sicherheit dieser Personen verantwortlich?

Aufgrund der gestiegenen Risiken, die durch die hohe Anzahl der beteiligten Personen entstehen, müssen Programme zur Brandschutz-Sanierung sorgfältig ausgearbeitet werden, um sicherzustellen, dass die Verwendung von Materialien mit guten Feuerwiderstandseigenschaften -wann immer möglich- Vorrang hat und dass der Brandschutz -weder während, noch nach der Sanierung- nicht beeinträchtigt wird.

Die Wahl des Baumaterials ist für den Brandschutz äußerst wichtig. Moderne Baumaterialien und Bauverfahren können einen starken Temperaturanstieg bewirken und somit eine deutlich schnellere Flammenausbreitung begünstigen und damit auch zusätzlichen giftigen Rauch erzeugen. Heutzutage kann sich ein kleines Feuer bereits in 3-5 Minuten zu einem grossen Brand entwickeln. In den 50er Jahren dauerte dies noch 15 Minuten oder länger (2). Dies gefährdet direkt die sichere Evakuierung der Bewohner und stellt die eintreffende Feuerwehr vor eine viel größere Herausforderung.

Die CE-Kennzeichnung der in den verschiedenen Bausystemen verbauten Materialien (europäische technische Zulassung) erlaubt die Verwendung von leichtentzündlichen Materialien in einigen Teilen des Systems, wie z.B. außenseitige Wärmedämm-Verbundsysteme (ETICS External Thermal Insulation Composite Systems). Die Brandprüfung von Dämmstoffen in diesen Systemen erfolgt über die Simulation der Endverwendung. Die Dämmschicht in außenseitigen Wärmedämm-Verbundsystemen wird während der Brandprüfung mit einem nichtbrennbaren Putz aufgebracht. Der Brandschutz dieses Systems basiert hauptsächlich auf der Putzschicht, die erst im letzten Schritt aufgebracht wird.

Während der Sanierung werden viele schützende Bauteile entfernt, um den Zugang zu erleichtern. Das Gebäude wird auch mit einem Schutzmaterial gegen Regen und Wind verkleidet. Auch Rohre, Kabel, Leitungen und Schalter können während der Sanierung freigelegt werden. Spalte hinter Abdeckungen und Installationen können Luftströme begünstigen, die die Verbreitung von Feuer und giftigem Rauch in andere Gebäudeteile beschleunigen. Diese Risiken werden häufig unterschätzt und manchmal auch ignoriert, mit tragischen Folgen. Durch den Einsatz nichtbrennbarer Materialien und mit Hilfe von gut ausgebildeten Installationsarbeitern können diese Risiken reduziert werden.

Die Risiken von Großbränden nehmen stetig zu. Sechzig Prozent der Europäer werden im Laufe ihres Lebens mit einem Brand konfrontiert. Es ist wichtig, dass der Brandschutz oberste Priorität hat, dies gilt besonders für große Gebäude mit vielen Personen.

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Ein brandsicheres Europa

(1) Richtlinie 2010/31/EU vom 19. Mai 2010
(2) Quelle – Schwedische Behörde für Rettungsdienste Link